Wie miteinander reden?

Kommt darauf an, was man erreichen will.

Will man gewinnen, überzeugen, überreden, etwas gemeinsam erarbeiten, etwas planen oder ein Problem lösen? Damit fängt es an, sich darüber im Klaren zu sein, was man letztlich erreichen will. Und das sollte für alle Gesprächsteilnehmer das Selbe sein.

Dabei werden die unterschiedlichsten Strategien verfolgt. Entweder, man denkt sich, alles sei erlaubt, von rhetorischen Tricks bis zu Killerphrasen; man muss sich an Logik halten oder auch mal in die emotionale Kiste greifen. Will man gewinnen oder will man den anderen verstehen.

Manchmal sind es auch so scheinbar unverfängliche Bemerkungen wie ,zu philosophisch, zu abstrakt oder auch zu langatmig‘, um dem Gespräch kurzerhand den Stecker zu ziehen. Oder ganz einfach festzustellen, dass man darüber nicht reden will. Oder einfach nichts zu sagen. Alles Strategien, um ein Gespräch abzutöten. Spielt es dabei eine Rolle, ob das bewusst oder nicht bewusst geschieht? Das Ergebnis, und darauf kommt es an, das ist immer das Gleiche.

Die verschiedenen Gesprächsformen kann man wie folgt unterscheiden: Von einer Debatte spricht man, wenn beide Gesprächsparteien ihre Ansicht durchsetzen wollen. Oft ist die Debatte eine Art Schaulaufen, wo man andere beeindrucken will. Darum lieben Anwälte die Debatte so sehr. Man hört sich nicht wirklich zu, allenfalls um Schwachstellen zu finden, um den anderen auszuhebeln zu können. Die Grundregel ist: Alles ist erlaubt, solange es sich im gesellschaftlichen Kontext bewegt.

In der Diskussion geht es vordergründig darum, durch Fakten, Logik und Argumente das Richtige heraus zu arbeiten. In Wirklichkeit geht es aber doch nur darum, Recht zu behalten und sich durchzusetzen. Da wird die Kunst der Rhetorik leicht zur Kunst der Überredung. In Diskussionen geht es selten darum, Wahrheit, was immer das ist, herauszufinden, sondern dem Eigenen zur Geltung zu verhelfen.

In einem Diskurs sucht man gemeinsam nach einer Problemlösung oder sucht ein Ziel zu erreichen. Man trägt Fakten und Ansichten zusammen, um die beste Option herauszuarbeiten. Der Diskurs setzt voraus, sich darüber im Klaren zu sein, dass man auch falsch liegen kann. Hier geht es zwar auch um ein Miteinander, aber genauso geht es darum, die eigenen Interessen zur Geltung zu bringen. Im Diskurs geht es nicht darum sich durchzusetzen, sondern die beste Lösung zu finden.

Es ist leicht zu erkennen, dass der Diskurs den reinen Ego-Raum, den Raum der Ich-Bezogenheit, verlässt und in einen moderaten, ‚zivilen‘ Raum eintritt. Aber erst im (wirklichen und nicht nur so genannten) Dialog-Raum ist eine echte Begegnung von Mensch zu Mensch möglich, eine Begegnung ohne Maske, ohne Spiele.

Das Entscheidende ist, dass man im Dialog den Raum der Konventionen hinter sich lässt, dass man bereit ist, die inneren Konflikte auszuhalten, die das Gespräch in einem auslöst. Das hat eine ganz andere Dimension als die vorherigen drei Gesprächsformen. Es geht um die gemeinsamen Grundannahmen über das Leben, die man untersucht und auch – und damit sich selbst – in Frage stellt, um einen weiteren Schritt der Erkenntnis machen zu können.

Es ist aber nicht möglich, die eine oder andere Gesprächsform willentlich zu praktizieren, man kann sie nur anstreben. Man braucht die innere Bereitschaft, sich darauf einzulassen, die innere Haltung, die unverzichtbar ist. Ein Gespräch, bei dem einer oder beide Gesprächspartner noch im Ego verhaftet sind wird kein Dialog, auch wenn man es so nennt.

Erst im Nachhinein kann man sich fragen, ob das Gespräch ein Dialog, ein Diskurs, eine Diskussion oder doch wieder nur um eine Debatte war.  Etwas darf man dabei nicht vergessen. Bei Debatte, Diskussion und Diskurs bleibt man immer in seinem ‚Raum‘, selten, dass man über ihn hinaus gehen kann. Eigentlich nie. Das ist wohl nur in der Haltung des Dialogs möglich.

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