Verrückte Idee, das Universum als eine Welt der Ideen anzusehen

Aber der Gedanke hat definitiv was.

Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.‘ So jedenfalls sah es schon Albert Einstein. Eine sehr sympathische und ansprechende Interpretation absurder Ideen. Aber diese Haltung ist nicht nur sympathisch, sie hat definitiv auch was. Ohne seine Fähigkeit, in diesem Sinne absurd zu denken und bis dahin nicht Denkbares eben nicht auch für unmöglich zu halten, wäre Einstein wohl nie auf das berühmte ‚e = m · c2‘ gekommen, Werner Heisenberg hätte nie die Unschärferelation gedacht, Erwin Schrödinger sich nie ‚seine‘ Katze ausgedacht und Niels Bohr, der Zen-Meister der Quantenphysik, hätte nicht mit seinem Atommodell den Weg zur Quantenmechanik geebnet. Was für ein Glück, dass die so absurd denken konnten!

Mich hat einmal wie aus heiterem Himmel die Frage beschäftigt, warum wir eigentlich Schönes als schön empfinden, dabei aber jeder ein mehr oder weniger unterschiedliches und manchmal völlig anderes Verständnis von Schönheit hat. Schönheit ist keine einer Sache, einem Wesen oder einem Naturereignis immanente Eigenschaft. Aber auch ich als Betrachter definiere Schönheit nicht, genauso wenig wie man Schönheit überhaupt definieren könnte. Warum aber finde ich dann einen Sonnenuntergang schön? Oder eine Blume? Bei wohl beiden, Sonnenuntergang wie Blume, spielt im Normalfall, also wenn man für sich ist und keine Absichten im Hinterkopf hat, ein sonst bei der Bewertung ‚schön oder nicht schön‘ leider immer wieder relevantes Affektionsinteresse keine Rolle.

Die Frage aber, was Schönheit ist oder was etwas schön erscheinen lässt, ist genau die Frage, die garantiert in die Irre führt. Denn darauf gibt es keine Antwort. Schönheit existiert einfach, eine Idee, eine Gedanke, ein kosmisches Prinzip, ohne dass das klar definiert wäre, sondern es ist offen, fließend, will ausgefüllt und empfunden werden, will gelebt werden. Und das ist nicht nur bei Schönheit so, sondern auch bei Empfindungen und Gefühlen, wie Hilfsbereitschaft, Freundschaft und so weiter und so fort. Dass das etwas dem Universum Eigenes ist, das lässt sich leicht an dem Verhalten von Tieren erkennen. Typisch menschlich sind wohl nur Haß, Wut, Neid, Gier … die Wurzelsünden eben. Wenn er keinen Hunger hat spielt auch ein Eisbär mit einem Husky. Es gibt viele solcher Beispiele, man muss sie nur sehen, was erst einmal heißt zu sehen, wie man selbst wirklich ist.

Ist man selbst nicht ‚gut‘, kann man das Gute auch bei anderen nicht sehen, man kann es einfach nicht denken. Vielleicht ist es doch keine so verrückte Idee, dass, wie Platon es gesehen hat, das Universum ein Welt der Ideen ist. Solche Ideen sind nach ihm beispielsweise ‚das Schöne an sich‘, ‚das Gerechte an sich‘, aber auch ‚der Kreis an sich‘ oder ‘der Mensch an sich‘. Nach dieser Ideenlehre sind die Ideen nicht bloße Vorstellungen im menschlichen Denken, sondern eine objektive metaphysische Realität. Die Ideen, nicht die Objekte der Sinneserfahrung, stellen die eigentliche Wirklichkeit dar. Sie sind vollkommen und unveränderlich.

Genau die selben (nicht eins zu eins identischen) Ideen, die gleiche Vorstellung von der Welt finden wir auch in den Prinzipien des Zen. Die klingen für viele ja auch ziemlich absurd, zumindest scheint es vielen absurd, so leben zu wollen. Aber, wie gesagt, man muss es denken können, sonst kann man es auch nicht sehen. Wenn man aber etwas noch nicht denken kann, dann kann man es ja lernen. Oder mann muss es vielleicht auch lernen, will man im Einklang mit der Welt leben. Mich hat einmal der Gedanke von Krishnamurti ‚You are the World‘ fasziniert und regelrecht in Beschlag genommen. Ich habe viel darüber nachgedacht, logisch wie mich darin versenkend, und je mehr ich darüber nachgedacht und meditiert habe, desto klarer wurde mir, dass es zwischen mir und dem Universum keinen Unterschied gibt. Nur einen Größenunterschied, klar.

Es ist dieses Selbstverständnis, mit dem man sich seiner Familie zugehörig weiß, ob man das jetzt gut findet oder nicht, genauso ist es auch mit dem Universum und mir. Man gehört einfach dazu, mehr noch, man ist diese Familie. Wir sehen uns zwar als Einzelwesen, als Individuen, aber wir sind die Familie, wir sind die Welt. Und ja, wir sind diese Idee von Güte, Schönheit, Liebe, Freundschaft, Wahrheit. Wir brauchen das nur zu sehen und uns dabei nicht selbst im Weg zu stehen mit unseren vordergründigen Bedürfnissen und Wünschen.