Philosophia perennis

Wissen, was wir wissen können.

Es ist schon erstaunlich, dass wir eigentlich schon sehr, sehr lange wissen, was wir tun müssten, um die Geheimnisse des Universums nach und nach zu ergründen. Spätestens seit den alten Griechen könnte uns das klar sein. Einige von denen haben nämlich erkannt, dass man durch Nachdenken und Beobachten die Natur verstehen kann. Aber man muss richtig nachdenken, dann kommt man nämlich darauf, dass wir mittels des Verstandes in der Lage sind, die vielfältigen Phänomene auf einfache Gesetze zurückzuführen.

Lässt sich etwa der Aufbau und die Konstruktion eines Baumes nicht sehr leicht verstehen, wenn man sich nicht von dem äußeren Eindruck, der schieren Größe, beeindrucken lässt, sondern das zugrunde liegende Prinzip sucht? Dieses erste Fraktal ist total simpel, es ist eine nicht ganz gleichförmige Gabelung. Und auch Bergformationen lassen sich leicht dadurch bilden, indem man ein Fraktal, etwa in Form eines Dreiecks, immer wieder wiederholt. Übrigens eine Erkenntnis von Benoît Mandelbrot. Ein Mathematiker. Typisch.

Das Universum können wir ständig sehen, aber nicht ohne weiteres verstehen, denn es scheint nur mit der abstrakten Sprache der Mathematik verstehbar zu sein. Oder etwas in dieser Art, jedenfalls abstrakt. Kürzlich habe ich eine Fernsehsendung gesehen, in der unter anderem die Sprache auf Lukrez kam. Titus Lucretius Carus, sein eigentlicher Name, geboren Anfang des ersten Jahrhunderts vor Christi Geburt, hatte Vorstellungen von der Welt, die auch Albert Einstein faszinierten. Das brachte mich zu der Frage, was Lukrez oder Buddha dazu brachte, die Welt auf eine Art zu sehen, dass die (Quanten-) Physiker der Moderne sich vor ihnen verbeugen?

Wenn ich mir Einsteins mathematische Aufzeichnungen anschaue, wird mir ziemlich schwindelig. Wenn ich aber über seine gedanklichen Überlegungen und bildhaften Vergleiche nachdenke, dann kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber es zu erklären, wäre eine wirkliche Herausforderung für mich. Eines habe ich auf diese Weise gelernt: Man muss hinter die Dinge schauen, ihre Struktur und die grundlegenden Prinzipien erkennen, will man die Welt verstehen. Oder sich selbst.

Wenn wir von den grundlegenden Prinzipien ausgehen, uns darauf reduzieren, dann sind wir mehr und mehr in der Lage, uns selbst zu erkennen und zu verstehen. Ein faszinierendes Beispiel dafür ist das Design einer Präsentation. Hier gilt fraglos ‚weniger ist mehr‘. Garr Reynolds hat das in seinen Büchern sehr gut beschrieben. ‚Seine‘ Präsentationen folgen konsequent Prinzipien, die mit denen der Philosophia perennis nicht nur vergleichbar, sondern für mein Empfinden deckungsgleich sind.

Solche Präsentationen fordern einen heraus. Aber wenn man das Prinzip, also die zugrundeliegenden Prinzipien, einmal wirklich verstanden, sie ‚begriffen‘ hat, dann wird es einfach. Richtig gestaltet, strahlt minimalistisches Design Erfahrenheit, Souveränität und Raffinesse aus. Warum nicht selbst genau so leben, sich also dem entsprechend organisieren? Tut man das, hat man einen interessanten Doppeleffekt. Zum einen wird man nach außen klarer, man strahl mehr Erfahrenheit, Souveränität und Exzellenz aus; zum anderen erkennt man sich selbst immer besser, einfach deshalb, weil der übliche Plüsch wegfällt, in dem man sich so gut vor sich selbst verstecken kann.

Reduktion, die Konzentration auf das Wesentliche und Eigentliche, ist der Weg der Philosophia perennis. Und das hat einen doppelten Nutzeffekt für uns: Einerseits kommen wir so in die Lage, uns besser zu erkennen und zu verstehen, zum anderen werden wir im Außen klarer, präziser und sichtbarer.

Nur wenn wir uns selbst wahrzunehmen in der Lage sind, werden wir auch wahrgenommen.