Lebenskunst – nicht so einfach, aber spannend. 

Und manchmal auch wirklich erschreckend.

Kürzlich bin ich in einem Post mal wieder über dieses Zitat von Alan Watts gestolpert: Das Leben ist ein Spiel, dessen erste Spielregel lautet: Das ist kein Spiel, das ist todernst. Grund genug, mich wieder einmal damit auseinander zu setzen. Ich denke, dass er das mit dem ‚todernst‘ so geschrieben hat, weil, spielten wir in diesem Lebensspiel mal eben so einen kriegerischen Spielzug, dann wäre das wirklich nicht witzig. Sondern eben todernst.

Das bedeutet nichts anderes, als dass wir endlich begreifen sollten oder müssten – ich bin im Interesse meiner Enkel definitiv für müssen – dass das Leben eben ein Spiel ist. Nichts ist vorherbestimmt. Dieses Spiel hat zwar ein paar Prinzipien, ähnlich den Regeln eines normalen Spiels, aber mehr auch nicht. Den Rest macht jeder selbst mit allen anderen zusammen.

Es ist eben ein Kunstwerk. Habe ich keine Ahnung von Kunst, dann wird es nicht mehr als ein Chaos. Und exakt so ist es auch mit dem Leben. Ich habe einmal in einer Ausstellung Dürers Verständnis von Kunst gelesen. Das hat mich vollkommen fasziniert und in seinen Bann gezogen. Kunst, hat er gesagt, ist gewaltig. Sie hat diese unmittelbare Kraft, weil sie das innerste, unmittelbare Empfinden des Künstlers ausdrückt. Er akzeptiert für sich die Konvention, das Gewöhnliche und manchmal so Selbstverständliche einfach nicht mehr.

In der Kunst verbinden sich Leidenschaft, Streben nach Perfektion wie Vollendung mit Wissen und Eigensinn zu etwas Wahrhaftigem und Wesentlichen. Wahre Kunst ist oft nur schwer verständlich und manchmal auch nur schwer zu ertragen, macht sie doch jede Falschheit, jede Beliebigkeit und jede Oberflächlichkeit durchschaubar und offensichtlich. Kunst muss man aushalten, ob als Künstler oder als Betrachter. Denn Kunst nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten, sie macht keine faulen Kompromisse und ist unbeirrbar konsequent. Kunst sucht in allem das Wahre, alles Falsche und Laue ist ihr zuwider.

Ich habe meinen Eltern immer den (nie ausgesprochenen) Vorwurf gemacht, dass sie mir nicht Klavier oder wenigstens Gitarre spielen beibringen ließen. Erst viel später entdeckte ich für mich die Schreibkunst und noch einmal später das Motorradfahren – auch eine Kunst! Es kommt bei beidem, wie bei jeder Kunst, nicht auf das Werk an, sondern was sich bei dem Ausübenden durch das Praktizieren einstellt, das Werk ist nur Mittel zum Zweck. Der Weg ist auch hier das Ziel. Ich fahre diesen Sommer nach Sardinien, doch nicht weil ich in Sardinien sein will, sondern weil ich die Reise erleben will. So wie ich Bachs Werk ‚Toccata und Fuge in d-Moll‘ nicht nur auf CD im Schrank haben, sondern hören will.

Ja, das Leben ist ein Spiel. Doch nehmen wir es nicht ernst, todernst, als das, was es ist, eben ein Spiel und gestalten wir es nicht spielerisch, sondern glauben stattdessen, es sei vorherbestimmt, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen könnten, dann wird es uns gewaltig um die Ohren fliegen. Wenn wir das Leben nicht wie einen Tango zu tanzen lernen, sondern stattdessen weiter das Gewaltspiel ‚jeder gegen jeden‘ spielen, weil wir uns nicht in dem Gegenüber erkennen und sehen können, dann ist dieses Spiel wirklich todernst.

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