Leben wie ein Zen-Garten – warum sollte man das tun?

Nein, das ist keine Anspielung auf ‚Asche zu Asche, Staub zu Staub‘.

Obwohl, eigentlich irgendwie schon: Stets in dem Bewusstsein zu leben, dass wir aus Erde sind. Dann wäre zu leben wie ein Zen-Garten ja  im Grunde eine Hommage an das Leben. Ein Grund dafür, sich einen Zen-Garten anzulegen, ist seine bekanntlich entspannende Wirkung, die wohl jeder erfährt, der sich darin aufhält. Durch die Beschäftigung mit dem Steingarten fallen Stress, Hektik und Anspannung von einem ab. Aber warum ist das so?

Eine Fabel erzählt von einem alten Teemeister in Japan. Er hatte einen Garten geschaffen für seinen Freund, der am Meer lebte. Diesen Garten umgab eine hohe Hecke. Sie verwehrte den beiden einen Blick auf das Wasser. Sein Freund aber war unglücklich, weil er sein geliebtes Meer nicht mehr sehen konnte. Eines Tages – er wandelte gerade durch seinen Garten – ging er zum Wasserbecken, um seine Hände zu waschen. Als er sich zum Becken nieder bückte, entdeckte er einen Spalt in der Hecke und gewahrte das tosende Meer.

Da erkannte er die Absicht in der Gestaltung des Gartens: Der Teemeister wollte seinen Geist anspornen. Er hatte eine Verbindung zwischen dem Wasser im Becken und dem großen Ozean entdeckt. Und damit auch die Beziehung zwischen sich und dem unbegrenzten Universum erkannt. Und genau das ist sein ‚Geheimnis‘: Das Eigentliche eines Zen-Gartens liegt im Erkennen und Begreifen; denn der Garten ist erst vollkommen, wenn er verstanden wird. Es geht also nicht nur darum, den Garten schön zu gestalten, vielmehr geht es darum, darin und mit ihm das ganze Universum, den Kósmos abzubilden.

Es geht dabei nicht nur um die äußere Betrachtung der Dinge, sondern um den tieferen Sinn dahinter. Es gilt das Eigentliche zu erfühlen und zu ergründen. So wird der Zen-Garten zu einem Ort der ruhigen Gedanken, entworfen und geschaffen um Herz und die Seele des Menschen gleichermaßen zu nähren. Hat man dieses Prinzip verstanden, dann versteht man, dass kein menschlicher Maßstab mehr eine Rolle spielt, sondern dass er sich vom Garten vereinnahmen lassen soll. Man ist nicht mehr Besitzer oder Betrachter seines Gartens, sondern mit ihm eins, ein Ganzen geworden. Und exakt so sollten wir leben.

Was also liegt näher, als sein Leben wie einen Zen-Garten zu gestalten, einmal, um darin den Kósmos erfahren zu können und um letztlich eins mit allem zu sein?