Ändern ja. Aber wie?

Manchmal führt der indirekte Weg zum Ziel.

Zumindest ist es oft wesentlich schwieriger, ein gesetztes Zile zu ereichen, als man denkt. Angenommen, man hat etwas total verstanden, man sieht die Notwendigkeit ein und möchte seine innere Haltung und seine Glaubenssätze entsprechend ändern. Aber nichts funktioniert. Es ist, als sei man auf Grund gelaufen. Der Tanker ‚Ich‘ bewegt sich einfach nicht vom Fleck. Man weiß ja, dass man etwas ändern müsste, aber es will einfach nicht gelingen. Aber woran liegt das?

Wir leben ja bekanntlich nicht in der Welt, sondern in der Welt, die wir mit unserer Sprache definieren. Wittgenstein hat es einmal so formuliert: ‚Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.‘ Wobei man noch eine Ebene tiefer gehen kann, denn es ist das Denken, das letztlich die Wahrnehmung und damit auch die Sprache limitiert. Wie gesagt, was ich nicht denken kann, kann ich auch nicht sehen. Was ja auch leicht nachvollziehbar ist.

Meine Gedanken schwirren nicht irgendwo in der Luft herum, sondern sie sind ein Produkt meines Denkens. Und wir denken eben in den klar geordneten und strukturierten Bahnen der neuronalen Vernetzung unseres Gehirns. Das hat nicht direkt mit Wissen zu tun, wobei das natürlich auch eine Rolle spielt. Aus diesen neuronalen Strukturen herauszukommen ist aber gar nicht so einfach. Es gibt ja leider keine Gebrauchsanleitung für einen Gehirnumbau. Das Gehirn hat ja keine zweidimensionale Struktur, sondern ist ein hochkomplex verknüpftes System. Das darf man sich nicht wie einen Schrank mit vielen Schubladen vorstellen, in die man sein Wissen und seine Erfahrungen schön ordentlich einsortieren und gelegentlich auch wieder austauschen könnte.

Also stellt man sich das Gehirn eher wie ein gigantisches Knäuel von miteinander verbundenen Nervenfasern vor. Und das ganze ohne erkennbare Struktur. Wie aber werden die organisiert? Keine Ahnung, aber wenn ich das wüsste, dann wäre mir der Nobelpreis wohl sicher. Aber wir wissen, wie man das Gehirn indirekt umorganisieren kann, nämlich indem wir über Bande spielen – dreimal ums Eck und dann: Treffer! Und das funktioniert! Ich habe mich früher immer gefragt, warum Moshé Feldenkrais nicht den direkten Weg zum Bewusstsein genommen hat, sondern über den Körper. Vielleicht kennen Sie sein Buch ‚Bewusstheit durch Bewegung‘. Viele sehen ja in der Feldenkrais-Methode eher den körperlichen und nicht den geistigen Aspekt, eben die Bewusstheit, das, worum es ihm ‚eigentlich‘ ging. Feldenkrais ging es nicht um gymnastische Beweglichkeit, sondern um Bewusstheit.

Er hat den Tanker Namens Gehirn ganz einfach ausgetrickst, indem er erst einmal akzeptiert hat, dass mit Denken alleine nur sehr selten die gewünschte geistige Neuorientierung realisiert werden kann. Heute wissen wir ja, dass dafür das Gehirn, also das neuronale Netzwerk, neu organisiert und strukturiert werden muss. Und er erkannte, das ist das eigentlich Phänomenale an seiner Methode, dass Erfahrung und eben nicht die Erkenntnis als solche das Gehirn anders strukturiert.

Also muss ich die Erkenntnis, die ich in meinem Leben umsetzen will, erst einmal erfahren, damit sie die Nervenbahnen neu organisiert. Was aber ja irgendwie nicht geht, denn wie soll ich etwas erfahren können, was ich noch nicht kenne? Beim Motorradfahren ist das klar, da heißt das Zauberwort üben, üben, üben. Wie aber soll man eine Haltung üben? Ganz einfach, in dem Sie den Raum so gestalten, als hätten Sie diese Haltung. Und dann üben Sie das. Ich will beispielsweise nicht mehr so viel Schokolade essen. Einfach keine mehr kaufen? Das ändert meine Haltung nicht. Sondern ich diszipliniere mich, keine zu essen. Und dann übe ich das. Also brauche ich zuerst eine Landkarte, die mir andere (!) Wege aufzeigt. Das ist in dem Fall Schokolade ein gedankliches Stoppschild aufzustellen, wo vorher keines war.

Also fragen Sie sich, wie Ihre Schränke, Ihr Kühlschrank, Ihr Zimmer aussehen würden, wenn Sie den angestrebten Zustand erreicht hätten. Und nicht vergessen, denken Sie vor allem darüber nach, wie Sie anderen begegnen. Denken Sie also über Ihr Verhalten nach. Ich habe für mich viel erreicht, als ich dazu übergegangen bin, dass ‚gesagt ist getan‘ heißt. Also sage ich nichts mehr zu, wenn ich es nicht sofort machen kann oder will. Oder das einfache Prinzip ‚weniger ist mehr‘. Solche Regeln funktionieren, sie sind wie Bojen, an denen sich Schiffe orientieren können. Es ist die äußere Orientierung, die die Erfahrung initiiert. Auf diese Weise kommt wie von Geisterhand der Tanker ‚Gehirn‘ wieder flott. Aber diese Orientierung funktioniert nur, wenn sie wirklich korrekt ist und in sich eine klare Struktur und eine stimmige Ordnung hat.

Und das ist Sinn und Zweck der Übung.